Kabale und Liebe ein typisches Drama des Sturm und Drang
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Hausaufsatz: Kabale und Liebe - ein typisches Drama des Sturm und Drang
[Anm. des Autors: Im Internet wird dieser Hausaufsatz stellenweise als absolutes Negativbeispiel dargestellt. Das muss ich wohl akzeptieren. Ich habe damals eine 3 bekommen - und keine 6 - und war zufrieden. Jedenfalls heiße ich alle willkommen, ihn zu lesen und danach selbst zu urteilen.]
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Friedrich Schiller, der im jungen Alter von 23 Jahren das Drama "Kabale und Liebe" schrieb, lebte und dichtete zur Zeit der Jugendbewegung Sturm und Drang. Daß sich daraus schließen läßt, daß es sich bei diesem Theaterstück wirklich um ein typisches Drama des Sturm und Drang handelt, wird im folgenden belegt.
Die Sturm-und-Drang-Periode, auch Geniezeit genannt, war in der Theorie ein beinahe revolutionäre Jugendbewegung. Daher wird in "Kabale und Liebe" vor allem die Jugend sehr betont, schon allein dadurch, daß die beiden Hauptcharaktere, Ferdinand und Luise beide als Jugendliche, Luise im Alter von 16 Jahren (IV/7; S.77/ Z.4), dargestellt werden und daß gerade sie die Leitmotive des Sturm und Drang vertreten.
Eines der wichtigsten Kennzeichen des Sturm und Drang, das Thema der Liebe, wird im Stück auch vertreten: "Ich fürchte nichts - nichts - als die Grenzen deiner Liebe. Laß auch Grenzen wie Gebirge zwischen uns treten,..."(Ferdinand I/4; S.15/ Z.16f.) Ohne die vom Sturm und Drang erstrebte Gleichheit zwischen allen Bürgern wäre die Beziehung zwischen Ferdinand und Luise undenkbar. Da aber nur diese beiden Jugendlichen diese Gleichheit anerkennen, nicht aber ihre Eltern und die anderen älteren Charaktere, ist die Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Gedanke der Gleichheit läßt überhaupt erst zu, daß in einer Tragödie (=Trauerspiel), die seit der Antike nur mit Göttern und Adligen als Hauptcharakteren besetzt wurde, erstmals bürgerliche Charaktere eine Rolle spielen.
Auch die Freiheit in jeder Hinsicht war für die Autoren der Geniezeit ein großes Ziel. So wurde zum Beispiel jeder Mensch, der nicht tolerant gegenüber Andersdenkenden war, oft als ein schlechter dargestellt. So wird auch der Präsident, der gegen Beziehungen zwischen Adligen und Bürgerlichen ist, als er von dem Liebesschwur zwischen seinem Sohn Ferdinand und Luise erfährt, "boshaft zu [Luise]" (II/6; S. 44/ Z.10).
Ebenso ist auch die Individualität des Einzelnen für diese Periode bedeutend. In "Kabale und Liebe" wird das vor allem an der Einstellung Ferdinands deutlich. Er will sich nicht nach den Plänen seines Vaters richten und Lady Milford heiraten (I/7; S.23), sondern lieber nach seinem eigenen Willen und Herzen Luise zur Frau nehmen: "Hier, Luise! Deine Hand ist die meinige."(II/5; S.42/ Z.38).
Dies zeigt auch, daß, ebenfalls typisch für den Sturm und Drang, Ferdinand gegen jegliche Art von Unterdrückung ist. So kann er auch den Erpressungsversuchen seines Vaters Lady Milford zu heiraten widerstehen: "Feierlich entsag ich meinem Erbe" (I/7; S.22/ Z.2). Vor allem der Kampf gegen politische Unterdrückung ist ein Gedanke dieser Zeit, der auch im Stück ausgedrückt wird. Als der Kammerdiener Lady Milford von der Abreise vieler Männer nach Amerika erzählt ("...und fragte den Obersten, wie teuer der Fürst das Joch des Menschen verkaufte?"(II/2; S.29/ Z.36f.)), "fällt [sie] mit Entsetzen in [das] Sofa"(II/2; S.30/ Z.6).
Ein weiteres Leitmotiv dieser Epoche war die Natur und Natürlichkeit des Menschen. Dazu gehört auch der Gedanke, daß der Mensch nicht das Ergebnis genau geplanter Erziehung ist. Das ist wohl einer der deutlichsten Beweise dafür, daß es sich hier wirklich um ein Drama des Sturm und Drang handelt. Obwohl Ferdinand in seiner Kindheit von seinem Vater adlig erzogen wurde, widersetzt er sich nun mit der Beziehung und den Heiratsplänen mit Luise gegen die Sitten und Richtlinien des Adels.
Ebenfalls zur Natur des Menschen und damit zur Zeit des Sturm und Drang gehören die Gefühle. Sie sind in diesem Stück deutlich vertreten: "O wie sehr fürcht ich ihn diesen Vater." (Luise; I/4; S.15/ Z.15); "Meine Leidenschaft, Walter, weicht meiner Zärtlichkeit für Sie." (Lady; II/3; S.38/ Z.36f.). Auch Männer dürfen in dieser Epoche endlich ihre Gefühle zeigen: "Mein Vaterland ist, wo mich Luise liebt...." (Ferdinand; III/ 4; S.58/ Z.33ff.).
Die Gefühle ersetzen in der Geniezeit die ratio (=Vernunft). Sie wird aber nicht ganz verdrängt sondern bleibt an zweiter Stelle stehen: "Abgeschält von allen Pflichten - und Tränen - und Freuden. Abgeschält von der Vorsicht." (Luise; III/6; S.62/ Z.31ff.).
Aus all diesen Punkten folgt, daß die Epoche des Sturm und Drang gegen den Absolutismus und die alten Denkweisen ist. Auch im Stück wehrt sich die Jugend immer wieder, einmal sogar bildlich mit Waffengewalt (Ferdinand - Vater; II/7), gegen das Alte.
Auch anhand von Sprache und Stil läßt sich "Kabale und Liebe" als ein typisches Drama des Sturm und Drang deuten.
Im allgemeinen soll die Sprache des Sturm und Drang als Spiegel innerer Aufgewühltheit dienen. Also können die Sätze nicht genau geplant sein und somit auch nicht in Reimen stehen. Daher kommt es, daß das Drama Kabale und Liebe nicht in Versform sondern in Prosa geschrieben ist.
Im Satzbau fallen, weil die Charaktere oft überstürzt oder unüberlegt sprechen, Ellipsen ("Das deiner Luise, Ferdinand?" (Luise; V/7; S.104/ Z.4)), Gedankenstriche ("Walter, das Wort noch und dann Geschieden - - Ein entsetzliches Schicksal hat die Sprache unserer Herzen verwirrt." (Luise; V/7; S.105/ Z.27ff.)), Interjektionen ("Ha!" (Ferdinand; V/7; S.107/ Z.9)) und Ausrufezeichen ("Oh! Daß es so weit kommen mußte!" (Luise; V/7; S.104/ Z.16)) auf. Außerdem ist der Satzbau in bedeutenden Szenen meist parataktisch und wirkt somit hektischer.
Ebenso kommen im Stück einige der Schlüsselbegriffe des Sturm und Drang, z.B. Herz und Liebe, gehäuft vor: "Mein Herz brannte nach einem Herzen" (Lady; II/3; S.35/ Z.30); "Lästern sie ihr eigenes Herz nicht" (Luise; IV/7; S.81/Z.4); "Du, Luise, ich und die Liebe"(Ferdinand; III/4; S.58/Z.22f.).
Der bedeutende Schlüsselbegriff Natur kommt im Stück selbst kaum vor, dafür um so mehr Wörter aus dem Bereich der Natur, oft als Vergleiche oder Metaphern: "Komm in deiner ungeheuren Furchtbarkeit, Schlange; spring an mir auf, Wurm..." (Ferdinand zu Luise; V/7; S.104/ Z.6ff.).
Der Begriff Einsamkeit wird durch die vielen Monologe im Stück dargestellt (z.B. III/5, IV/2, IV/4, IV/8, V/4).
Alle diese Dinge, vor allem der Inhalt des Stücks, beweisen also eindeutig, daß Kabale und Liebe von Friedrich Schiller tatsächlich ein typisches Drama des Sturm und Drang ist. Es ist Schiller damit recht gut gelungen, die Ziele dieser Jugendbewegung auf unterhaltsame Weise darzustellen, auch wenn uns der Inhalt heute als "ganz normal" erscheint.
Datum: Februar 1998
Fach: Deutsch
Jahrgangsstufe: 11 (Gymnasium)
Schule: Heinrich-Heine-Gymasium, München
Note: 3
 
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