| | | Alban Bergs Oper Wozzeck |
| [Anzeige: Die besten Kalender 2010 gibt es hier im Kalender-Shop 2010.] |
Gliederung:
- I. Alban Bergs Leben und Werk
- II. Inhalt und Aufbau der Oper Wozzeck
- III. musikalische Mittel der Oper Wozzeck
|
I. Alban Bergs Leben und Werk (Stichpunkte)
- geb. am 9.Februar 1885 in Wien
- Vater Buch- und Antiquitätenhändler => literarische Begabung
- Mutter => zeichnerische und musikalische Begabung
- drei Geschwister; Bruder Charley schöne Stimme, Schwester Smaragda gut klavierspielend
- beginnt im Alter von 15 Jahren mit autodidaktischen Kompositionsversuche
- 1900 Tod des Vaters => Verschlechterung der Lebensverhältnisse in Familie
- Asthmaanfälle
- Abitur nicht bestanden, unglückliche Liebe =>1903 Selbstmordversuch
- 1904 Rechnungspraktikant in Statthalterei
- 1904 bereits 70 Lieder geschaffen
- Bruder Charley zeigt Kompositionen Arnold Schönberg => Alban bekommt kostenlosen Kompositionsunterricht bei ihm von 1904-1910 =>Freundschaft mit Anton von Webern
- Entscheidende künstlerische Erlebnisse in dieser Zeit: "Salome" von Strauß, Mahlers Sinfonien, Schönbergs Werke,Wedekinds "Büchse der Pandora", Bekantschaften mit Künstlern
- 1906 Familienerbschaft => Verbesserung der finanziellen Situation => Aufgabe der Beamtentätigkeit => mehr Zeit für Kompositionen
- 1907/1908 Kompositionen bei Schülerkonzerten erstmals in Öffentlichkeit
- 1910 Abschluß des Studiums bei Schönberg mit Streichquartett
- 1910 Begegnung mit G. Mahler => beeindruckt von IX. Sinfonie
- 1911 Uraufführung des Streichquartettes und der Klaviersonate
- Mai 1911 Hochzeit mit Helene Nahowski
- Tod Mahlers => tiefe Trauer
- => Leben im Sommer in Kärnten oder in der Steiermark auf Familiengut, im Winter in Wien
- vor und nach dem ersten Weltkrieg: Einsetzen für Schönberg in der Öffentlichkeit
- Mitarbeiter in Verlag "Universal-Edition"
- Klavierauszug und Führer durch die "Gurrelieder", Thematische Analyse der Kammersymphonie und Aufsätze über Schönberg
- Vollendung der "Altenberglieder", "Klarinettenstücke" und der "Drei Orchesterstücke"
- bei Uraufführung Konzertskandal
- 1914 Begegnung mit Büchners "Woyzeck-Fragment"; will es vertonen
- 1915-1918 im ersten Weltkrieg Militärdienst im Kriegsministerium => starke seelische Belastung
- 1918 Kompositionslehrer, Vortragsmeister und Mitorganisator von Schönbergs "Verein für musikalische Privataufführungen"
- unterrichtet viele bekannte Persönlichkeiten
- 1921 Vollendung der Wozzeck-Partitur
- Klavierauszug von Wozzeck für Alma Mahler
- 1924 drei Stücke Wozzecks für Musikfest in Frankfurt am Main auf Anraten von Hermann Scherchen => sensationeller Erfolg
- 14. Dezember 1925 Uraufführung Wozzecks in Berliner Staatsoper => Berg wird berühmt
- bis 1936 166 Aufführungen in 29 deutschen Städten.
- 1927 Generalvertrag mit Universal-Edition für alle weiteren Werke
- 1928 Beginn mit Oper "Lulu"
- Gutachtertätigkeit für Internationale Gesellschaft für Neue Musik
- Haus in Velden Am Wörthersee durch Einnahmen der Aufführungen
- Nationalsozialismus verschließt ihm deutsche Bühnen => finanzielle Einbußen
- 1933 Freund Schönberg geht in vereinigte Staaten
- 1934 Uraufführung der "Lulu-Sinfonie"
- 1935 Vollendung der Oper Lulu geplant
- bekommt Auftrag für Violinkonzert
- Berg erschüttert durch Tod von Manon, Alma Mahlers Tochter => langsames Schaffen
- Todeskrankheit durch Insektenstich
- 24. Dezember 1935 Tod |
II. Inhalt und Aufbau der Oper Wozzeck
Von den 24 Szenen von Büchners Woyzeck-Fragment streicht Berg 7 und kürzt 3 weitere zu einer zusammen. Er legt folgende Szenenfolge fest.
|
I. Akt
- 1. Szene:
Soldat Wozzeck rasiert Hauptmann. Hauptmann beschimpft Wozzeck, er habe keine Moral, keine Tugend und ein uneheliches Kind. Wozzeck betont seine Armut.
- 2. Szene:
Wozzeck und Kamerad Andres schneiden Stöcke. Andres singt Liedchen. Wozzeck hat Angstvisionen.
- 3. Szene:
Marie, die Braut Wozzecks, verliebt sich in Tambourmajor.
- 4. Szene:
Wozzeck ist für Doktor Versuchskaninchen. Dieser freut sich über Wozzecks psychische Belastung.
- 5. Szene:
Marie wird von Tambourmajor verführt.
|
II. Akt
- 1. Szene:
Marie hat schlechtes Gewissen und wiegt ihr Kind in den Schlaf. Sie belügt Wozzeck bezüglich der Ohrringe vom Tambourmajor.
- 2. Szene:
Wozzeck begegnet dem Hauptmann und dem Doktor. Sie machen Wozzeck auf das Liebesspiel Maries aufmerksam.
- 3. Szene:
Wozzeck stürzt davon, um Marie und den Tambourmajor auf frischer Tat zu ertappen. Marie ist entsetzt über seine Vorwürfe und sagt: "Lieber ein Messer in den Leib, als deine Hand auf mich.
- 4. Szene:
Wozzeck geht in die Kneipe, um sich abzulenken. Maries Worte gehen ihm nicht aus dem Kopf.
- 5. Szene:
Wozzeck prügelt sich mit dem Tambourmajor.
|
III. Akt
- 1. Szene:
Marie liest in der Bibel von Ehebruch und hofft auf Vergebung der Sünden.
- 2. Szene:
Wozzeck plant Marie zu ermorden. Er will Marie nicht an eine anderen verlieren, führt sie aus der Stadt, ersticht sie und denkt dabei an ihre Worte aus II/3.
- 3. Szene:
Wozzeck wird in der Kneipe als Mörder enttarnt.
- 4. Szene:
Wozzeck will das Messer suchen und ertränkt sich dabei im Teich. Der Doktor und der Hauptmann gehen am Ufer spazieren.
- 5. Szene:
Man sieht spielende Kinder, auch das Kind der Marie. Sie gehen ahnungslos zur Leiche der Marie hinaus. |
III. musikalische Mittel der Oper Wozzeck
|
Aufbau der Oper
Auffällig ist, daß sich die drei Akte der Oper bzgl. der Form voneinander völlig unterscheiden, die Szenen innerhalb der Akte aber ähnlich sind.
Beim I. Akt handelt es sich um 5 aufeinanderfolgende unabhängige Charakterstücke, nämlich Suite, Rhapsodie über 3Akkorde, Militärmusik-Wiegenliedszene, Passacaglia und Rondo, im II. Akt um eine streng aufgebaute Symphonie in 5 Sätzen (Sonatensatz, Invention und Fuge, Largo für Kammerorchester, Scherzo mit 3 Trios und Reprise und Introduktion und Rondo marziale) und im III. Akt um 5 unabhängige Inventionen (über ein Thema, einen Ton, einen Rhythmus, einen Sechsklang und eine fortlaufende Achtelbewegung).
Berg selbst meint, daß zwischen dem I. und dem III. Akt eine gewisse Parallelität bestehe, da beide einen lockereren Aufbau aus je 5 verschiedenen musikalischen Formen hätten, während der zweite Akt sehr streng aufgebaut sei. Dadurch hat es Berg geschafft, trotz vieler moderner Mittel die alte, strenge Form des Liedes (a, b, a) beizubehalten.
Berg versucht dennoch sein Werk zu vereinheitlichen, indem er in die Szenen und Akte Elemente einfließen läßt, die durch häufiges Vorkommen die Einzelteile der Oper zu einer Einheit werden lassen. Dies gelingt ihm zum einen durch die Quartenmelodik, die sich durchs ganze Werk hindurch zieht und die vor allem die nicht in eine Oper passenden Volkslieder mit einbindet, zum anderen die Harmonik der Aktschlüsse. Die Akte enden im Prinzip alle auf ein und denselben Schlußakkord, wenn sie auch klanglich verschieden sind.
Während der I. und der III. Akt mit Zusammenklängen der Akkordtöne schließen, löst sich der Akkord am Schluß des II. Aktes immer mehr in seine Bestandteile auf.
Natürlich dient zur Vereinheitlichung der Oper auch das große Leitmotiv, das bereits in der 1. Szene des I. Akts erscheint und auch im weiteren Verlauf der Oper immer wieder auftaucht.
Auch innerhalb der einzelnen Akte verwendet Berg zentrale Hauptthemen die im Stück immer wieder vorkommen. |
musikalische Mittel
Berg ist der erste Komponist der es geschafft hat, eine Oper nicht nur neben dem Drama herlaufen zu lassen, sondern die Dramatik auch durch musikalische Mittel zu unterstreichen.
Dies gelingt ihm unter anderem durch atonale Musik und Zwölftonmusik.
Gleich in der 1. Szene des I. Akts wundert man sich über die altmodische Form der Suite, in der noch dazu alte musikalische Formen auftauchen: Präludium, Pavane, Kadenzen, Gigue, Gavotte, Air und doubleartige Wiederholungen. Dies, sowie die ebenfalls auftretende Chromatik, ein Mittel der modernen Musik, soll die Zeitlosigkeit des Dramas betonen.
Zur Zeit Büchners symbolisierten Volkslieder noch die außerhalb des grauenerregenden Geschehens existente heile Welt. Deshalb nahm auch Berg Volkslieder in seine Oper auf. Dies stellte sich für ihn als besonders schwierig heraus, da er auch in seiner atonalen Musik den Niveauunterschied von Kunst- und Volksmusik darstellen mußte. Ein Beispiel dafür ist das Jägerlied das Wozzeck in I/2 singt (2a). Man erkennt deutlich das Berg es vermeidet ein und den selben Ton zu oft zu verwenden, da dies in der modernen Musik (z.B. Zwölftonmusik) nicht üblich ist. Unter anderem deshalb hat er die zweite Strophe des Liedes, die von Andres gesungen wird variativ verwandelt.
Ein weiterer Grund für Variationen ist es, zu zeigen, das jemandem die Worte des anderen zwar nicht mehr aus dem Kopf gehen, aber sich die Stimmung oder Situation inzwischen geändert hat.
Wozzeck erzählt hier im Beispiel zwischen der ersten und zweiten Strophe von seinen Angstvisionen. Der schnellere Rhythmus zeigt das Andres beim Singen der zweiten Strophe (2b) sehr aufgeregt ist.
In der selben Szene (I/2) ist auch noch auffällig, daß sie auf 3 Akkorden aufgebaut ist, weshalb er auch Rhapsodie über 3Akkorde genannt wird:
Ebenso kann man in der Oper auch expressionistische Verwandlungsmusik finden. So verwendet er zum Beispiel in der 4. Szene des 2. Aktes, in der Wirtshausszene, eine Abwandlung von Strauß' "Rosenkavalier-Walzer", Mozarts "Don Giovanni" und Webers "Freischütz". Dabei werden die bekannten Stücke so verwandelt, daß sie in das Schema der Oper passen.
Besonders zu beachten sind die Inventionen des III. Aktes, auf die Variationen und Fugen folgen. Berg zeigt dadurch, daß nicht nur ein Thema die Grundlage eines Musikstücks sein kann, sondern auch ein einzelner Ton, ein Sechsklang und sogar rhythmische Dinge wie eine fortlaufende Achtelbewegung oder ein Rhythmus.
Überhaupt hat Alban Berg in dieser Oper sehr viele musikalische Mittel und Formen, gleich ob alte oder moderne, ausgenützt.
Das Hauptthema des Sonatensatzes soll andeuten, was die Charaktere bisher erlebt haben, indem vorher verwendte Motive wieder aufgenommen werden. Ganz nach den Regeln Schönbergs bemüht sich Berg keine Wiederholungen zu benutzen. Deshalb können auch diese Motive nur verändert werden.
Dies sind nur die wichtigsten in dieser Oper verwendeten musikalischen Mittel dieser Oper an der man jedoch bereits die gute kompositionstechnische Begabung Alban Bergs erkennen kann, auch wenn seine Musik vielleicht vom heutigen Modell der schönen Musik abweicht.
Eine genauere Untersuchung wäre auch nicht im Sinne des Komponisten, denn Berg will selbst, daß es im Publikum seiner Oper "keinen [gibt], der etwas von diesen Fugen und Inventionen, Suiten- und Sonatensätzen, Variationen und Passacaglien merkt - keinen der von etwas anderem erfüllt ist als von der [...] Idee dieser Oper." |
Datum: Ende 1998 Fach: Musik Jahrgangsstufe: K12 (Gymnasium) Schule: Heinrich-Heine-Gymnasium, München Punkte: 15 (Note: 1)
| © Copyright 1998-2009 by Klaus Fangmann, www.retira.de Alle Rechte vorbehalten! | |
|
ANZEIGE:
Angaben ohne Gewähr
|